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In der Windkrafttechnik bezeichnet ein Regler ein zentrales Steuerungselement, das die Leistung und Betriebsparameter von Windenergieanlagen optimiert. Er sorgt dafür, dass die Anlage effizient, sicher und innerhalb der zulässigen Grenzen arbeitet, indem er mechanische und elektrische Komponenten koordiniert. Ohne präzise Regelung wären moderne Windkraftanlagen weder wirtschaftlich noch technisch realisierbar.

Allgemeine Beschreibung

Ein Regler in der Windkraft ist ein komplexes System, das sowohl hardware- als auch softwarebasierte Komponenten umfasst. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Rotordrehzahl, die Generatorleistung und die Blattverstellung (Pitchwinkel) so zu steuern, dass die Anlage unter variierenden Windbedingungen maximale Energieausbeute erzielt, ohne die mechanischen oder elektrischen Grenzen zu überschreiten. Dabei muss der Regler dynamisch auf Änderungen der Windgeschwindigkeit, Turbulenzen und Netzlasten reagieren.

Moderne Regler arbeiten mit Echtzeitdaten, die von Sensoren wie Anemometern, Drehzahlmessern und Vibrationssensoren erfasst werden. Diese Daten werden in Steueralgorithmen verarbeitet, die auf physikalischen Modellen der Anlage basieren. Die Regelung erfolgt dabei in mehreren Ebenen: von der grundlegenden Drehzahlregelung über die Leistungsbegrenzung bis hin zur Netzintegration. Besonders kritisch ist die Regelung bei Starkwind, da hier die mechanischen Belastungen auf Turm, Rotorblätter und Generator stark ansteigen.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Interaktion mit dem elektrischen Netz. Der Regler muss sicherstellen, dass die eingespeiste Leistung den Anforderungen des Netzbetreibers entspricht, insbesondere hinsichtlich Spannung, Frequenz und Blindleistung. Bei Netzstörungen oder -ausfällen übernimmt der Regler Schutzfunktionen, um die Anlage vor Schäden zu bewahren und eine schnelle Wiederinbetriebnahme zu ermöglichen.

Technische Details

Regler in Windkraftanlagen lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen: mechanische und elektronische Regler. Mechanische Regler, wie der historische Fliehkraftregler, spielen heute kaum noch eine Rolle, da sie zu träge auf schnelle Windänderungen reagieren. Stattdessen dominieren elektronische Regler, die auf Mikroprozessoren oder speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) basieren. Diese ermöglichen eine präzise und adaptive Regelung durch digitale Signalverarbeitung.

Ein zentrales Regelungsprinzip ist die Pitchregelung, bei der die Rotorblätter um ihre Längsachse gedreht werden, um den Anstellwinkel zum Wind zu verändern. Dadurch kann die aerodynamische Leistung des Rotors aktiv gesteuert werden. Bei niedrigen Windgeschwindigkeiten wird der Pitchwinkel so eingestellt, dass die maximale Leistung aufgenommen wird. Bei hohen Windgeschwindigkeiten wird der Winkel vergrößert, um die Leistung zu begrenzen und die Anlage vor Überlastung zu schützen. Die Pitchregelung erfolgt meist über hydraulische oder elektrische Stellantriebe, die vom Regler angesteuert werden.

Ein weiteres wichtiges Regelungsverfahren ist die Stallregelung, die bei älteren Anlagen eingesetzt wurde. Hierbei wird die Strömung an den Rotorblättern bei hohen Windgeschwindigkeiten durch aerodynamische Effekte (Strömungsabriss) begrenzt. Allerdings ist diese Methode weniger präzise und führt zu höheren mechanischen Belastungen, weshalb sie in modernen Anlagen kaum noch verwendet wird.

Die Regelung der Generatorleistung erfolgt über den Umrichter, der die variable Frequenz des Generators an die feste Netzfrequenz anpasst. Der Regler steuert dabei die Erregung des Generators und die Leistungselektronik, um die gewünschte Wirk- und Blindleistung ins Netz einzuspeisen. Bei Anlagen mit doppelt gespeistem Asynchrongenerator (DFIG) übernimmt der Umrichter zusätzlich die Regelung der Rotorströme, um die Drehzahl des Generators zu stabilisieren.

Normative Vorgaben für Regler in Windkraftanlagen sind in verschiedenen Standards festgelegt, darunter die IEC 61400-Reihe, insbesondere IEC 61400-1 (Designanforderungen) und IEC 61400-21 (Netzverträglichkeit). Diese Normen definieren unter anderem die Anforderungen an die Regelungsgenauigkeit, die Reaktionszeiten bei Netzstörungen und die Schutzfunktionen bei Überdrehzahl oder Überlast.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Der Begriff Regler wird oft mit anderen Steuerungselementen in der Windkraft verwechselt. Eine klare Abgrenzung ist daher notwendig:

  • Steuerung: Eine Steuerung folgt einem festen Programm ohne Rückkopplung, während ein Regler durch Rückführung von Messwerten (Feedback) eine geschlossene Regelstrecke bildet. In der Windkraft ist eine reine Steuerung ohne Regelung nicht praktikabel, da die Windbedingungen zu dynamisch sind.
  • Leistungselektronik: Die Leistungselektronik (z. B. Umrichter) ist ein Teil des Regelungssystems, aber nicht mit dem Regler selbst gleichzusetzen. Sie dient der Umsetzung der vom Regler vorgegebenen Steuerbefehle in elektrische Signale.
  • SCADA-System: Ein SCADA-System (Supervisory Control and Data Acquisition) überwacht und visualisiert den Betrieb der Windkraftanlage, greift aber nicht direkt in die Regelung ein. Es dient der Fernüberwachung und Datenanalyse, während der Regler die Echtzeitsteuerung übernimmt.

Anwendungsbereiche

  • Leistungsoptimierung: Der Regler passt die Betriebsparameter kontinuierlich an, um die Energieausbeute zu maximieren. Dies umfasst die Regelung der Rotordrehzahl, des Pitchwinkels und der Generatorleistung in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit.
  • Schutzfunktionen: Bei extremen Windbedingungen oder technischen Störungen (z. B. Netzausfall) leitet der Regler Schutzmaßnahmen ein, wie das Abbremsen des Rotors oder das Abschalten der Anlage, um Schäden zu vermeiden.
  • Netzintegration: Der Regler stellt sicher, dass die eingespeiste Leistung den Anforderungen des Netzbetreibers entspricht, insbesondere hinsichtlich Spannungs- und Frequenzstabilität. Bei Netzstörungen unterstützt er die Wiederherstellung der Netzstabilität (Fault-Ride-Through, FRT).
  • Condition Monitoring: Durch die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von Betriebsdaten trägt der Regler zur Zustandsüberwachung der Anlage bei. Abweichungen von den Sollwerten können frühzeitig erkannt und Wartungsmaßnahmen eingeleitet werden.
  • Betriebsartensteuerung: Der Regler ermöglicht den Wechsel zwischen verschiedenen Betriebsarten, z. B. zwischen Teillast- und Volllastbetrieb oder zwischen Insel- und Netzbetrieb. Dies ist besonders bei Hybridanlagen oder Offshore-Windparks relevant.

Bekannte Beispiele

  • Pitchregler von Vestas: Die Pitchregelungssysteme von Vestas, einem der weltweit führenden Hersteller von Windkraftanlagen, sind für ihre hohe Präzision und Zuverlässigkeit bekannt. Sie nutzen redundante Steuerungen und fortschrittliche Algorithmen, um die Blattverstellung auch unter extremen Bedingungen sicherzustellen.
  • Regler für Offshore-Anlagen (Siemens Gamesa): Offshore-Windkraftanlagen stellen besondere Anforderungen an die Regelung, da sie höheren Windgeschwindigkeiten und korrosiven Umgebungsbedingungen ausgesetzt sind. Die Regler von Siemens Gamesa sind speziell für diese Bedingungen ausgelegt und verfügen über erweiterte Schutzfunktionen gegen Salzwasser und Vibrationen.
  • DFIG-Regelung (Enercon): Enercon setzt bei seinen Anlagen mit doppelt gespeistem Asynchrongenerator (DFIG) auf eine spezielle Regelungsstrategie, die eine hohe Effizienz und Netzverträglichkeit gewährleistet. Die Regelung erfolgt über den Umrichter, der sowohl die Rotor- als auch die Statorströme steuert.

Risiken und Herausforderungen

  • Mechanische Belastungen: Eine fehlerhafte Regelung kann zu übermäßigen mechanischen Belastungen führen, insbesondere bei schnellen Windänderungen oder Turbulenzen. Dies kann die Lebensdauer von Rotorblättern, Getrieben und Lagern verkürzen.
  • Netzstabilität: Bei einer unzureichenden Regelung der eingespeisten Leistung kann es zu Spannungsschwankungen oder Frequenzabweichungen im Netz kommen. Dies gefährdet die Stabilität des gesamten Stromnetzes, insbesondere in Regionen mit hohem Windkraftanteil.
  • Echtzeitanforderungen: Die Regelung muss in Echtzeit erfolgen, da Verzögerungen zu Instabilitäten oder Schäden führen können. Dies erfordert leistungsfähige Hardware und optimierte Algorithmen, die auch unter hohen Rechenlasten zuverlässig arbeiten.
  • Cybersicherheit: Moderne Regler sind zunehmend vernetzt und steuerbar, was sie anfällig für Cyberangriffe macht. Ein erfolgreicher Angriff könnte zu einer Fehlfunktion der Anlage oder sogar zu physischen Schäden führen. Daher sind robuste Sicherheitsmaßnahmen wie Verschlüsselung und Zugriffskontrollen essenziell.
  • Wartung und Kalibrierung: Regler müssen regelmäßig gewartet und kalibriert werden, um ihre Genauigkeit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Dies erfordert geschultes Personal und kann bei Offshore-Anlagen mit hohen Kosten verbunden sein.
  • Komplexität der Algorithmen: Die Regelungsalgorithmen werden immer komplexer, um den steigenden Anforderungen an Effizienz und Netzintegration gerecht zu werden. Dies erhöht den Entwicklungsaufwand und die Fehleranfälligkeit, insbesondere bei der Integration neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz.

Ähnliche Begriffe

  • Leistungsregler: Ein Leistungsregler ist ein spezifischer Regler, der die elektrische Leistung der Windkraftanlage steuert. Er ist ein Teil des Gesamtsystems und arbeitet eng mit dem Pitchregler und dem Umrichter zusammen.
  • Drehzahlregler: Der Drehzahlregler steuert die Rotordrehzahl, um eine optimale Energieaufnahme zu gewährleisten. Er ist besonders wichtig bei Anlagen mit variabler Drehzahl, die ohne Getriebe auskommen (z. B. direkt angetriebene Generatoren).
  • Blindleistungsregler: Dieser Regler steuert die Blindleistung, die für die Spannungsstabilität im Netz erforderlich ist. Er ist besonders relevant bei Anlagen, die in schwachen Netzen oder Inselnetzen betrieben werden.
  • Schutzrelais: Schutzrelais sind Sicherheitseinrichtungen, die bei Überlast oder Kurzschluss die Anlage abschalten. Sie arbeiten eng mit dem Regler zusammen, sind aber nicht Teil der eigentlichen Regelung.

Zusammenfassung

Der Regler ist das zentrale Steuerungselement in Windkraftanlagen und gewährleistet deren sicheren, effizienten und netzverträglichen Betrieb. Durch die Kombination von Pitchregelung, Generatorsteuerung und Netzintegration ermöglicht er eine optimale Energieausbeute unter variierenden Windbedingungen. Moderne Regler basieren auf digitalen Steuerungen und komplexen Algorithmen, die Echtzeitdaten verarbeiten und dynamisch auf Änderungen reagieren. Trotz ihrer hohen Zuverlässigkeit sind sie mit Herausforderungen wie mechanischen Belastungen, Netzstabilität und Cybersicherheit konfrontiert. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Regelungstechnik ist entscheidend, um die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen weiter zu steigern.

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