UKA: Mit Expertise zum erfolgreichen Windparkprojekt.

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Die Wetterbedingungen spielen eine zentrale Rolle in der Planung, dem Betrieb und der Effizienz von Windkraftanlagen. Sie umfassen alle atmosphärischen Parameter, die die Leistung und Sicherheit von Windenergiekonvertern beeinflussen. Da Windkraftanlagen direkt von kinetischer Energie aus der Luftströmung abhängig sind, wirken sich Schwankungen in Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit und insbesondere Windgeschwindigkeit unmittelbar auf deren Wirtschaftlichkeit und technische Verfügbarkeit aus.

Allgemeine Beschreibung

Wetterbedingungen im Kontext der Windkraft bezeichnen die Gesamtheit der meteorologischen Faktoren, die die Energieerzeugung durch Windkraftanlagen determinieren. Dazu zählen primär die Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Luftdichte, Turbulenzintensität sowie extreme Wetterereignisse wie Stürme, Vereisung oder Blitzeinschläge. Diese Parameter werden in der Regel über einen längeren Zeitraum gemessen und statistisch ausgewertet, um standortspezifische Windpotenziale zu ermitteln.

Die Windgeschwindigkeit ist der entscheidende Faktor für die Energieausbeute, da die Leistung einer Windkraftanlage proportional zur dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ist (siehe Betz'sches Gesetz). Bereits geringe Abweichungen von der optimalen Windgeschwindigkeit können zu erheblichen Einbußen führen. Die Luftdichte, die von Temperatur, Luftdruck und Feuchtigkeit abhängt, beeinflusst ebenfalls die Leistungsabgabe, da sie die Masse der bewegten Luft und damit die kinetische Energie bestimmt. In höheren Lagen oder bei niedrigen Temperaturen steigt die Luftdichte, was zu einer höheren Energieausbeute führt.

Turbulenzen, verursacht durch Geländerauigkeit oder thermische Effekte, können die mechanische Belastung der Rotorblätter erhöhen und die Lebensdauer der Anlage verkürzen. Extreme Wetterbedingungen wie Orkanböen oder Hagel stellen zusätzliche Risiken dar, die durch konstruktive Maßnahmen wie Sturmsicherungen oder Enteisungssysteme mitigiert werden müssen. Die präzise Erfassung und Prognose dieser Wetterbedingungen ist daher essenziell für die Standortbewertung, die Anlagenauslegung und den operativen Betrieb.

Technische Details

Die Messung von Wetterbedingungen für die Windkraft erfolgt mithilfe von meteorologischen Masten, LiDAR- (Light Detection and Ranging) oder SoDAR-Systemen (Sonic Detection and Ranging). Diese Geräte erfassen Windgeschwindigkeiten in verschiedenen Höhen, typischerweise zwischen 50 und 200 Metern über Grund, um das vertikale Windprofil zu bestimmen. Die Daten werden gemäß der Norm IEC 61400-12-1 standardisiert erhoben und ausgewertet, um die Unsicherheiten in der Energieertragsprognose zu minimieren.

Die Luftdichte ρ (in kg/m³) wird nach der idealen Gasgleichung berechnet: ρ = p / (Rs × T), wobei p der Luftdruck (in Pascal), Rs die spezifische Gaskonstante für trockene Luft (287,05 J/(kg·K)) und T die absolute Temperatur (in Kelvin) ist. Bei einer Temperatur von 15 °C und einem Luftdruck von 1013,25 hPa beträgt die Luftdichte etwa 1,225 kg/m³. Eine Abnahme der Luftdichte um 1 % führt zu einer Leistungsreduktion von etwa 1 %.

Die Turbulenzintensität I (dimensionslos) ist definiert als das Verhältnis der Standardabweichung der Windgeschwindigkeit σv zur mittleren Windgeschwindigkeit vavg: I = σv / vavg. Werte über 0,15 gelten als hoch und erfordern spezielle Auslegungen der Rotorblätter, um Materialermüdung zu vermeiden. Die IEC 61400-1 klassifiziert Standorte anhand der Turbulenzintensität in verschiedene Kategorien (A bis C), die die Auslegung der Anlagenkomponenten bestimmen.

Extreme Wetterereignisse werden durch Wiederkehrperioden charakterisiert. Beispielsweise muss eine Windkraftanlage in der Lage sein, einer 50-Jahres-Böe standzuhalten, deren Geschwindigkeit in der Norm IEC 61400-1 definiert ist. Für Offshore-Anlagen sind zusätzlich Wellengang und Eisbildung relevante Faktoren, die in der DNV-ST-0126 (ehemals DNVGL-ST-0126) geregelt sind.

Historische Entwicklung

Die systematische Berücksichtigung von Wetterbedingungen in der Windkraft begann in den 1970er-Jahren mit der Entwicklung kommerzieller Windenergieanlagen. Frühe Anlagen waren oft unterdimensioniert, da die Windressourcen an Standorten überschätzt wurden. Erst mit der Einführung standardisierter Messverfahren, wie sie in der IEC 61400-Reihe festgelegt sind, konnten zuverlässige Ertragsprognosen erstellt werden.

In den 1990er-Jahren ermöglichte die Einführung von LiDAR- und SoDAR-Systemen die kostengünstige Erfassung von Winddaten ohne den Bau hoher Messmasten. Diese Technologien revolutionierten die Standortbewertung, insbesondere für Offshore-Projekte, wo traditionelle Messmethoden aufgrund der Wassertiefe und der rauen Bedingungen nur eingeschränkt einsetzbar waren. Parallel dazu wurden numerische Wettervorhersagemodelle wie das Global Forecast System (GFS) oder das European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) für die kurzfristige Leistungsprognose von Windparks genutzt.

Seit den 2010er-Jahren gewinnen KI-basierte Vorhersagemodelle an Bedeutung, die Wetterdaten mit historischen Betriebsdaten von Windkraftanlagen kombinieren, um die Genauigkeit der Ertragsprognosen weiter zu erhöhen. Gleichzeitig führen der Klimawandel und die damit verbundenen Veränderungen der Wetterbedingungen zu neuen Herausforderungen, etwa durch häufigere Extremwetterereignisse oder Verschiebungen der Windressourcen.

Normen und Standards

Die wichtigsten Normen für die Bewertung von Wetterbedingungen in der Windkraft sind:

  • IEC 61400-1: Definiert die Auslegungsanforderungen für Windkraftanlagen, einschließlich der Klassifizierung von Windbedingungen (Windklassen I bis IV) und Turbulenzkategorien.
  • IEC 61400-12-1: Legt die Verfahren zur Messung der Leistungskennlinie von Windkraftanlagen fest, einschließlich der Anforderungen an die Windmessung.
  • DNV-ST-0126: Spezifiziert die Auslegungsanforderungen für Offshore-Windkraftanlagen, einschließlich der Berücksichtigung von Wellengang und Eisbildung.
  • DIN EN ISO 19901-1: Behandelt die meteorologischen und ozeanografischen Bedingungen für Offshore-Strukturen, einschließlich Wind- und Wellenlasten.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Wetterbedingungen sind von klimatischen Bedingungen zu unterscheiden. Während Wetterbedingungen kurzfristige, lokale atmosphärische Zustände beschreiben (z. B. Windgeschwindigkeit an einem bestimmten Tag), beziehen sich klimatische Bedingungen auf langfristige Mittelwerte und Trends über Jahrzehnte. Für die Windkraft sind beide Perspektiven relevant: Wetterbedingungen bestimmen den operativen Betrieb, während klimatische Daten die Standortwahl und langfristige Wirtschaftlichkeit beeinflussen.

Ein weiterer verwandter Begriff ist das Windklima, das die statistische Verteilung der Windgeschwindigkeiten an einem Standort über einen längeren Zeitraum beschreibt. Das Windklima wird durch Wetterbedingungen geprägt, ist jedoch eine aggregierte Größe, die für die Planung von Windparks herangezogen wird.

Anwendungsbereiche

  • Standortbewertung: Die Analyse von Wetterbedingungen ist die Grundlage für die Auswahl geeigneter Standorte für Windkraftanlagen. Durch die Auswertung langjähriger Winddaten können potenzielle Energieerträge abgeschätzt und die Wirtschaftlichkeit eines Projekts bewertet werden. Hierbei kommen Windatlanten wie der Global Wind Atlas oder der European Wind Atlas zum Einsatz, die auf meteorologischen Modellen basieren.
  • Anlagenauslegung: Die konstruktive Auslegung von Windkraftanlagen muss an die vorherrschenden Wetterbedingungen angepasst werden. Dies umfasst die Dimensionierung der Rotorblätter, die Wahl der Materialien und die Auslegung der Fundamente. Beispielsweise erfordern Standorte mit hoher Turbulenzintensität robustere Rotorblätter, um Materialermüdung zu vermeiden.
  • Betriebsführung: Wetterbedingungen beeinflussen den täglichen Betrieb von Windkraftanlagen. Kurzfristige Windprognosen ermöglichen eine optimierte Einspeisung ins Stromnetz und helfen, Netzengpässe zu vermeiden. Zudem werden Wartungsarbeiten in Abhängigkeit von den Wetterbedingungen geplant, um Ausfallzeiten zu minimieren.
  • Risikomanagement: Extreme Wetterereignisse wie Stürme oder Vereisung stellen ein erhebliches Risiko für Windkraftanlagen dar. Durch die kontinuierliche Überwachung von Wetterbedingungen können präventive Maßnahmen ergriffen werden, etwa das Abschalten der Anlagen bei drohenden Orkanböen oder die Aktivierung von Enteisungssystemen.
  • Forschung und Entwicklung: Wetterdaten werden genutzt, um neue Technologien für die Windkraft zu entwickeln, etwa adaptive Rotorblätter, die sich automatisch an wechselnde Windbedingungen anpassen, oder KI-basierte Vorhersagemodelle für die Energieerzeugung.

Bekannte Beispiele

  • Horns Rev 3 (Dänemark): Dieser Offshore-Windpark in der Nordsee ist einer der größten der Welt und wurde unter Berücksichtigung extremer Wetterbedingungen wie Sturmfluten und hohen Wellenhöhen ausgelegt. Die Anlagen sind für Windgeschwindigkeiten von bis zu 50 m/s (180 km/h) ausgelegt und verfügen über spezielle Korrosionsschutzmaßnahmen gegen die salzhaltige Meeresluft.
  • Gansu-Windpark (China): Mit einer geplanten Kapazität von 20 GW ist dies einer der größten Onshore-Windparks der Welt. Die Standortwahl erfolgte aufgrund der konstant hohen Windgeschwindigkeiten in der Wüste Gobi, die im Jahresmittel bei etwa 7,5 m/s in 70 Metern Höhe liegen. Die Anlagen sind jedoch extremen Temperaturschwankungen und Sandstürmen ausgesetzt, was spezielle Schutzmaßnahmen erfordert.
  • Floating Wind Farm Hywind Scotland (Vereinigtes Königreich): Dieser schwimmende Offshore-Windpark nutzt Wetterdaten, um die Bewegungen der schwimmenden Fundamente durch Wellen und Wind zu kompensieren. Die Anlagen sind mit Sensoren ausgestattet, die kontinuierlich Wetterbedingungen erfassen und die Rotorblattstellung anpassen, um die Energieausbeute zu optimieren.

Risiken und Herausforderungen

  • Extremwetterereignisse: Stürme, Orkanböen oder Blitzeinschläge können zu schweren Schäden an Windkraftanlagen führen. Beispielsweise verursachte der Sturm "Xavier" im Jahr 2017 in Deutschland Schäden an mehreren Windkraftanlagen, darunter gebrochene Rotorblätter und umgestürzte Türme. Die Auslegung der Anlagen muss daher auf solche Ereignisse ausgelegt sein, was die Kosten erhöht.
  • Vereisung: In kalten Regionen kann es zur Vereisung der Rotorblätter kommen, was zu einer erheblichen Leistungsreduktion oder sogar zum Stillstand der Anlage führt. Vereisung erhöht zudem das Risiko von Eiswurf, der eine Gefahr für Menschen und Infrastruktur darstellt. Enteisungssysteme, etwa elektrische Heizungen oder chemische Beschichtungen, sind teuer und erhöhen den Wartungsaufwand.
  • Turbulenzen: Hohe Turbulenzintensitäten, verursacht durch Geländerauigkeit oder thermische Effekte, führen zu erhöhten mechanischen Belastungen der Rotorblätter und des Turms. Dies kann die Lebensdauer der Anlage verkürzen und die Wartungskosten erhöhen. Besonders in komplexem Gelände oder in der Nähe von Hindernissen wie Wäldern oder Gebäuden ist dieses Risiko ausgeprägt.
  • Klimawandel: Der Klimawandel führt zu Veränderungen der Wetterbedingungen, etwa durch häufigere Extremwetterereignisse oder Verschiebungen der Windressourcen. Studien deuten darauf hin, dass sich die Windgeschwindigkeiten in einigen Regionen verringern könnten, was die Wirtschaftlichkeit von Windkraftprojekten beeinträchtigen würde. Gleichzeitig könnten andere Regionen von stärkeren Winden profitieren.
  • Datenunsicherheit: Die Genauigkeit von Wetterdaten ist entscheidend für die Planung und den Betrieb von Windkraftanlagen. Messfehler oder unzureichende Daten können zu falschen Ertragsprognosen führen, was finanzielle Risiken birgt. Besonders in abgelegenen oder schwer zugänglichen Gebieten ist die Datenerfassung eine Herausforderung.

Ähnliche Begriffe

  • Windressource: Bezeichnet die verfügbare kinetische Energie des Windes an einem bestimmten Standort, die durch Wetterbedingungen wie Windgeschwindigkeit, Luftdichte und Turbulenzintensität bestimmt wird. Die Windressource ist ein zentraler Parameter für die Standortbewertung von Windkraftanlagen.
  • Mikroklima: Beschreibt lokale Wetterbedingungen, die durch kleinräumige geografische oder topografische Gegebenheiten beeinflusst werden, etwa Täler, Hügel oder Küstenlinien. Mikroklimata können die Windressource an einem Standort erheblich verändern und müssen bei der Planung von Windparks berücksichtigt werden.
  • Windlast: Bezeichnet die Kraft, die der Wind auf eine Struktur ausübt. In der Windkraft ist die Windlast ein entscheidender Faktor für die Auslegung der Türme und Fundamente von Windkraftanlagen. Sie wird durch Wetterbedingungen wie Windgeschwindigkeit und Turbulenzintensität bestimmt.
  • Energieertragsprognose: Bezeichnet die Vorhersage der elektrischen Energie, die eine Windkraftanlage oder ein Windpark über einen bestimmten Zeitraum erzeugen wird. Die Prognose basiert auf Wetterdaten und historischen Betriebsdaten der Anlagen.

Zusammenfassung

Wetterbedingungen sind ein zentraler Faktor für die Effizienz, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen. Sie umfassen alle atmosphärischen Parameter, die die Energieerzeugung beeinflussen, darunter Windgeschwindigkeit, Luftdichte, Turbulenzintensität und extreme Wetterereignisse. Die präzise Erfassung und Analyse dieser Bedingungen ist essenziell für die Standortbewertung, Anlagenauslegung und Betriebsführung. Normen wie die IEC 61400-Reihe standardisieren die Messung und Bewertung von Wetterbedingungen, um die Vergleichbarkeit und Zuverlässigkeit von Windkraftprojekten zu gewährleisten. Gleichzeitig stellen extreme Wetterereignisse, Vereisung und der Klimawandel erhebliche Risiken dar, die durch technische und betriebliche Maßnahmen mitigiert werden müssen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Mess- und Prognosetechnologien trägt dazu bei, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Windkraft weiter zu steigern.

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