UKA: Mit Expertise zum erfolgreichen Windparkprojekt.

English: Medium-voltage switchgear / Español: Interruptor de media tensión / Português: Disjuntor de média tensão / Français: Interrupteur moyenne tension / Italiano: Interruttore di media tensione

Der Mittelspannungsschalter ist ein zentrales Bauelement in der elektrischen Energieverteilung, insbesondere in Windkraftanlagen, wo er die sichere Schaltung und Trennung von Stromkreisen im Spannungsbereich zwischen 1 und 52 Kilovolt (kV) gewährleistet. Als Schnittstelle zwischen der Generatorseite und dem Netz übernimmt er sowohl betriebliche als auch schutztechnische Funktionen, die für die Stabilität und Verfügbarkeit der Energieerzeugung essenziell sind.

Allgemeine Beschreibung

Mittelspannungsschalter sind elektrische Schaltgeräte, die in Mittelspannungsnetzen eingesetzt werden, um Lastströme, Kurzschlussströme und Leerlaufströme zu schalten. In Windkraftanlagen verbinden sie die Generatoren der Windturbinen mit dem internen Sammelschienensystem oder dem öffentlichen Netz. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, im Fehlerfall – etwa bei Überlast oder Kurzschluss – den betroffenen Stromkreis schnell und zuverlässig zu unterbrechen, um Schäden an Anlagenkomponenten zu verhindern und die Personensicherheit zu gewährleisten.

Die Konstruktion von Mittelspannungsschaltern für die Windenergie ist auf die spezifischen Anforderungen dieser Anwendung ausgelegt. Dazu gehören hohe Schalthäufigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Vibrationen sowie die Fähigkeit, unter wechselnden Umweltbedingungen – wie Temperaturschwankungen oder salzhaltiger Luft in Offshore-Anlagen – zuverlässig zu funktionieren. Moderne Schalter nutzen häufig Vakuum- oder SF6-Gas als Isolier- und Löschmedium, wobei SF6 aufgrund seiner klimaschädlichen Wirkung zunehmend durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt wird (siehe IEC 62271-100).

Ein weiteres Merkmal ist die Integration in digitale Schutz- und Steuerungssysteme. Mittelspannungsschalter in Windparks sind oft mit intelligenten Relais ausgestattet, die eine ferngesteuerte Überwachung und Diagnose ermöglichen. Dies erlaubt eine präventive Wartung und reduziert Stillstandszeiten. Zudem müssen die Schalter den Anforderungen der Netzanschlussrichtlinien (z. B. VDE-AR-N 4110 in Deutschland) genügen, die unter anderem die Fähigkeit zur Blindleistungsbereitstellung oder die Einhaltung von Spannungsgrenzen vorschreiben.

Technische Details

Mittelspannungsschalter in Windkraftanlagen werden typischerweise für Spannungsebenen von 12 kV, 24 kV oder 36 kV ausgelegt, abhängig von der Anlagengröße und der Netzstruktur. Die Nennströme liegen meist zwischen 630 Ampere (A) und 2.500 A, wobei Kurzschlussströme von bis zu 40 Kiloampere (kA) beherrscht werden müssen. Die Schaltleistung wird in Megavoltampere (MVA) angegeben und ergibt sich aus dem Produkt von Nennspannung und Nennkurzschlussausschaltstrom.

Als Schaltprinzipien kommen vor allem Vakuumschalter und SF6-Schalter zum Einsatz. Vakuumschalter nutzen ein Hochvakuum als Löschmedium, das eine schnelle Lichtbogenlöschung ermöglicht und wartungsarm ist. SF6-Schalter hingegen setzen Schwefelhexafluorid ein, ein Gas mit hervorragenden Isoliereigenschaften, das jedoch aufgrund seines hohen Treibhauspotenzials (GWP von 23.500) zunehmend kritisch betrachtet wird. Alternativen wie trockene Luft oder CO2-basierte Lösungen befinden sich in der Entwicklung (Quelle: CIGRE Technical Brochure 802).

Die mechanische Lebensdauer von Mittelspannungsschaltern wird in Schaltspielen angegeben und liegt bei modernen Geräten bei bis zu 30.000 Schaltzyklen. Elektrisch müssen sie mindestens 10.000 Schaltungen unter Nennlastbedingungen überstehen. Die Schaltzeiten – also die Dauer vom Auslösebefehl bis zur vollständigen Kontakttrennung – betragen typischerweise 30 bis 60 Millisekunden (ms), was für den Schutz der Anlage entscheidend ist.

Normen und Standards

Mittelspannungsschalter unterliegen internationalen und nationalen Normen, die ihre Konstruktion, Prüfung und Anwendung regeln. Die zentrale Norm ist die IEC 62271-100 (bzw. die europäische EN 62271-100), die Anforderungen an Wechselstrom-Schaltgeräte für Spannungen über 1 kV festlegt. Für Windkraftanlagen sind zudem die Netzanschlussrichtlinien der Übertragungsnetzbetreiber relevant, wie die VDE-AR-N 4110 in Deutschland oder die E.ON-Netzanschlussrichtlinie. Diese fordern unter anderem die Fähigkeit zur dynamischen Netzstützung, etwa durch die Bereitstellung von Blindleistung oder die Einhaltung von Spannungstoleranzen.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Mittelspannungsschalter werden häufig mit anderen Schaltgeräten verwechselt, die in der Energieverteilung eingesetzt werden. Eine klare Abgrenzung ist daher notwendig:

  • Lasttrennschalter: Diese Geräte sind für das Schalten von Lastströmen ausgelegt, können jedoch keine Kurzschlussströme unterbrechen. Sie werden oft in Kombination mit Sicherungen eingesetzt, um den Schutz zu gewährleisten.
  • Hochspannungsschalter: Hochspannungsschalter arbeiten in Spannungsebenen ab 52 kV aufwärts und sind für deutlich höhere Leistungen ausgelegt. Sie kommen in Übertragungsnetzen zum Einsatz, nicht jedoch in der internen Verteilung von Windparks.
  • Niederspannungsschalter: Diese Schalter sind für Spannungen unter 1 kV konzipiert und werden in der Steuerung und Verteilung innerhalb der Windturbine selbst verwendet, etwa für die Anbindung von Hilfsantrieben.

Anwendungsbereiche

  • Anbindung von Windturbinen an das interne Netz: Mittelspannungsschalter verbinden die Generatoren einzelner Windturbinen mit dem parkinternen Mittelspannungsnetz. Sie ermöglichen die gezielte Zu- und Abschaltung einzelner Turbinen, etwa für Wartungsarbeiten oder bei Störungen.
  • Kopplung mit dem öffentlichen Netz: In der Übergabestation des Windparks sorgen Mittelspannungsschalter für die sichere Anbindung an das öffentliche Netz. Sie schützen die Anlage vor Rückwirkungen aus dem Netz, wie Spannungseinbrüchen oder Frequenzschwankungen, und ermöglichen die Trennung im Fehlerfall.
  • Schutz von Sammelschienen und Transformatoren: Mittelspannungsschalter werden eingesetzt, um Sammelschienen oder Transformatoren im Fehlerfall schnell vom Netz zu trennen. Dies verhindert die Ausbreitung von Störungen und schützt teure Anlagenkomponenten vor Schäden.
  • Integration von Energiespeichern: In hybriden Wind-Speicher-Systemen verbinden Mittelspannungsschalter die Speicherkomponenten mit dem Netz. Sie ermöglichen das Laden und Entladen der Speicher und tragen so zur Netzstabilität bei.

Bekannte Beispiele

  • Siemens 3AH5 Vakuumschalter: Dieser Schalter wird häufig in Onshore-Windparks eingesetzt und zeichnet sich durch seine kompakte Bauweise und hohe Schaltleistung aus. Er ist für Spannungen bis 40,5 kV und Ströme bis 2.500 A ausgelegt und erfüllt die Anforderungen der IEC 62271-100.
  • ABB HD4 SF6-Schalter: Der HD4-Schalter von ABB ist ein klassischer SF6-Schalter, der in vielen Offshore-Windparks zum Einsatz kommt. Er bietet eine hohe Zuverlässigkeit und ist für extreme Umweltbedingungen ausgelegt. Aufgrund der Umweltauflagen wird er zunehmend durch Vakuumschalter ersetzt.
  • Schneider Electric Premset: Dieses Schaltgerät nutzt eine gasisolierte Technologie mit trockener Luft als Isoliermedium und ist speziell für den Einsatz in erneuerbaren Energien konzipiert. Es bietet eine hohe Sicherheit und ist wartungsarm.

Risiken und Herausforderungen

  • Umweltauswirkungen durch SF6: SF6 ist eines der stärksten bekannten Treibhausgase. Obwohl es in geschlossenen Systemen eingesetzt wird, kann es bei Leckagen oder unsachgemäßer Entsorgung erhebliche Umweltbelastungen verursachen. Die EU-Verordnung 517/2014 (F-Gas-Verordnung) schränkt die Verwendung von SF6 zunehmend ein und fördert die Entwicklung alternativer Isoliermedien.
  • Mechanische Belastungen in Offshore-Anlagen: In Offshore-Windparks sind Mittelspannungsschalter extremen Bedingungen ausgesetzt, wie salzhaltiger Luft, hoher Luftfeuchtigkeit und starken Vibrationen. Dies erfordert spezielle Korrosionsschutzmaßnahmen und robuste Konstruktionen, um die Lebensdauer der Geräte zu gewährleisten.
  • Netzstabilität und dynamische Anforderungen: Die zunehmende Integration von Windenergie in das Stromnetz stellt höhere Anforderungen an die Schaltgeräte. Mittelspannungsschalter müssen in der Lage sein, schnell auf Netzschwankungen zu reagieren und die Anlage vor Rückwirkungen zu schützen. Dies erfordert eine enge Abstimmung mit den Schutz- und Steuerungssystemen.
  • Wartung und Instandhaltung: Mittelspannungsschalter in Windparks sind oft schwer zugänglich, insbesondere in Offshore-Anlagen. Die Wartung muss daher sorgfältig geplant und durchgeführt werden, um Ausfallzeiten zu minimieren. Moderne Schalter bieten zwar Diagnosefunktionen, doch die Interpretation der Daten erfordert Fachpersonal.
  • Kosten und Wirtschaftlichkeit: Die Anschaffung und Installation von Mittelspannungsschaltern stellt einen erheblichen Kostenfaktor dar. Gleichzeitig müssen die Schalter eine lange Lebensdauer aufweisen, um die Wirtschaftlichkeit der Windkraftanlage zu gewährleisten. Die Wahl des richtigen Schaltertyps ist daher eine Abwägung zwischen Kosten, Leistung und Umweltaspekten.

Ähnliche Begriffe

  • Leistungsschalter: Ein Oberbegriff für Schaltgeräte, die Last- und Kurzschlussströme schalten können. Mittelspannungsschalter sind eine Unterkategorie der Leistungsschalter, die speziell für den Mittelspannungsbereich ausgelegt sind.
  • Trennschalter: Trennschalter dienen der galvanischen Trennung von Anlagenteilen, können jedoch keine Last- oder Kurzschlussströme schalten. Sie werden oft in Kombination mit Leistungsschaltern eingesetzt, um eine sichtbare Trennung zu ermöglichen.
  • Schaltanlage: Eine Schaltanlage ist eine Kombination aus mehreren Schaltgeräten, Schutz- und Steuerungseinrichtungen, die in einem Gehäuse oder einer Schaltzelle untergebracht sind. Mittelspannungsschalter sind ein zentraler Bestandteil von Mittelspannungsschaltanlagen.

Zusammenfassung

Mittelspannungsschalter sind unverzichtbare Komponenten in der elektrischen Infrastruktur von Windkraftanlagen. Sie gewährleisten die sichere Schaltung und Trennung von Stromkreisen im Spannungsbereich zwischen 1 und 52 kV und schützen die Anlage vor Überlastungen, Kurzschlüssen und Netzrückwirkungen. Aufgrund der spezifischen Anforderungen in Windparks – wie hohe Schalthäufigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen Umweltbedingungen und Integration in digitale Schutzsysteme – sind sie technisch anspruchsvoll und müssen den geltenden Normen und Richtlinien entsprechen. Die Entwicklung umweltfreundlicher Alternativen zu SF6 und die Anpassung an die dynamischen Anforderungen moderner Stromnetze stellen aktuelle Herausforderungen dar. Trotz der hohen Kosten und Wartungsanforderungen sind Mittelspannungsschalter ein Schlüsselelement für die Zuverlässigkeit und Effizienz der Windenergie.

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