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English: Angle of Attack / Español: Ángulo de ataque / Português: Ângulo de ataque / Français: Angle d'attaque / Italiano: Angolo d'attacco

Der Angle of Attack (deutsch: Anstellwinkel) ist ein zentraler aerodynamischer Parameter in der Windkrafttechnik, der die Effizienz und Leistungsfähigkeit von Rotorblättern maßgeblich beeinflusst. Er beschreibt den Winkel zwischen der Profilsehne eines Rotorblatts und der anströmenden Luft und bestimmt damit, wie die Luftströmung über das Blatt geführt wird. Eine präzise Steuerung dieses Winkels ist entscheidend, um den Energieertrag von Windkraftanlagen zu optimieren und mechanische Belastungen zu minimieren.

Allgemeine Beschreibung

Der Angle of Attack ist definiert als der Winkel zwischen der Profilsehne eines Rotorblatts – einer gedachten Linie von der Vorderkante (Nase) zur Hinterkante des Profils – und der Richtung der relativen Anströmgeschwindigkeit. Diese Anströmgeschwindigkeit setzt sich aus der Windgeschwindigkeit und der durch die Rotation des Rotors erzeugten Umfangsgeschwindigkeit zusammen. Der Anstellwinkel ist kein statischer Wert, sondern variiert entlang der Blattlänge und ändert sich dynamisch mit den Betriebsbedingungen der Anlage.

In der Windkrafttechnik wird der Angle of Attack aktiv durch Pitch-Systeme gesteuert, die die Blattwinkel an die aktuellen Windverhältnisse anpassen. Ein optimaler Anstellwinkel maximiert den Auftrieb, der für die Drehung des Rotors verantwortlich ist, während ein zu großer Winkel zu Strömungsabriss (Stall) führt. Dieser Effekt tritt auf, wenn die Luftströmung nicht mehr der Kontur des Blattes folgen kann, was zu einem plötzlichen Verlust des Auftriebs und erhöhten mechanischen Belastungen führt. Moderne Anlagen nutzen daher regelungstechnische Algorithmen, um den Anstellwinkel kontinuierlich anzupassen und so den Energieertrag zu steigern.

Die aerodynamische Wirkung des Anstellwinkels wird durch das Verhältnis von Auftriebs- zu Widerstandskraft beschrieben, das als Gleitzahl bezeichnet wird. Eine hohe Gleitzahl, die bei mittleren Anstellwinkeln erreicht wird, ist für die Effizienz von Windkraftanlagen entscheidend. Die genaue Auslegung des Anstellwinkels hängt von Faktoren wie der Blattgeometrie, der Windgeschwindigkeit und der gewünschten Leistungsabgabe ab. Dabei spielen auch lokale Effekte wie Turbulenzen oder Scherwinde eine Rolle, die den effektiven Anstellwinkel beeinflussen können.

Technische Details

Der optimale Angle of Attack für Rotorblätter von Windkraftanlagen liegt typischerweise im Bereich von 5° bis 15°, abhängig vom verwendeten Profil und den Betriebsbedingungen. Bei niedrigen Windgeschwindigkeiten wird der Anstellwinkel erhöht, um den Auftrieb zu maximieren, während bei hohen Windgeschwindigkeiten eine Reduzierung des Winkels erfolgt, um Überlastungen zu vermeiden. Die Steuerung erfolgt über Pitch-Systeme, die entweder hydraulisch oder elektrisch betrieben werden und eine präzise Einstellung des Blattwinkels ermöglichen.

Ein kritischer Aspekt ist die Stall-Regelung, die bei älteren Anlagen ohne Pitch-Systeme eingesetzt wurde. Hierbei wird der Anstellwinkel so gewählt, dass bei hohen Windgeschwindigkeiten ein kontrollierter Strömungsabriss auftritt, um die Leistung zu begrenzen. Diese Methode ist jedoch weniger effizient als die aktive Pitch-Regelung, da sie zu höheren mechanischen Belastungen und ungleichmäßigen Lastverteilungen führt. Moderne Anlagen setzen daher auf variable Pitch-Systeme, die eine kontinuierliche Anpassung des Anstellwinkels ermöglichen.

Die aerodynamische Auslegung von Rotorblättern berücksichtigt den Angle of Attack in Kombination mit anderen Parametern wie der Profilwölbung, der Dicke des Profils und der Oberflächenrauheit. Die Wahl des Profils erfolgt nach strengen Kriterien, die in Normen wie der IEC 61400-1 festgelegt sind. Diese Norm definiert Anforderungen an die strukturelle Integrität und die aerodynamische Leistungsfähigkeit von Windkraftanlagen und legt unter anderem fest, wie der Anstellwinkel in verschiedenen Betriebszuständen zu berücksichtigen ist.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Reynolds-Zahl, die das Verhältnis von Trägheits- zu Zähigkeitskräften in der Strömung beschreibt. Sie beeinflusst die Strömungscharakteristik am Rotorblatt und damit auch die Wirkung des Anstellwinkels. Bei niedrigen Reynolds-Zahlen, wie sie in kleinen Windkraftanlagen oder bei geringen Windgeschwindigkeiten auftreten, kann die Strömung leichter ablösen, was die Effizienz verringert. Daher müssen Rotorblätter für unterschiedliche Reynolds-Zahlen ausgelegt werden, um eine optimale Leistung über das gesamte Betriebsfenster zu gewährleisten.

Normen und Standards

Die Auslegung und Steuerung des Angle of Attack in Windkraftanlagen unterliegt internationalen Normen, insbesondere der IEC 61400-1 (Wind turbines – Part 1: Design requirements). Diese Norm definiert Anforderungen an die aerodynamische und strukturelle Auslegung von Windkraftanlagen und legt fest, wie der Anstellwinkel in verschiedenen Lastfällen zu berücksichtigen ist. Darüber hinaus sind nationale Richtlinien wie die DIBt-Richtlinie in Deutschland oder die DNVGL-ST-0126 zu beachten, die zusätzliche Vorgaben für die Zertifizierung von Anlagen enthalten.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Der Angle of Attack wird häufig mit dem Pitch-Winkel verwechselt, der den Winkel zwischen der Profilsehne und der Rotationsebene des Rotors beschreibt. Während der Pitch-Winkel eine mechanische Einstellung des gesamten Blattes darstellt, ist der Angle of Attack ein aerodynamischer Parameter, der sich aus der Kombination von Pitch-Winkel, Windgeschwindigkeit und Rotationsgeschwindigkeit ergibt. Ein weiterer verwandter Begriff ist der Einstellwinkel (engl. twist angle), der die Verdrehung des Rotorblatts entlang seiner Längsachse beschreibt und ebenfalls den lokalen Anstellwinkel beeinflusst.

Anwendungsbereiche

  • Leistungsoptimierung: Durch die präzise Steuerung des Angle of Attack kann der Energieertrag von Windkraftanlagen maximiert werden. Moderne Pitch-Systeme passen den Anstellwinkel kontinuierlich an die Windbedingungen an, um die aerodynamische Effizienz zu steigern.
  • Lastmanagement: Der Anstellwinkel spielt eine zentrale Rolle bei der Reduzierung mechanischer Belastungen, insbesondere bei hohen Windgeschwindigkeiten. Durch eine gezielte Verringerung des Winkels kann die Anlage vor Überlastung geschützt werden.
  • Stall-Regelung: In Anlagen ohne aktive Pitch-Systeme wird der Angle of Attack so gewählt, dass bei hohen Windgeschwindigkeiten ein kontrollierter Strömungsabriss auftritt, um die Leistung zu begrenzen. Diese Methode wird jedoch zunehmend durch aktive Pitch-Systeme ersetzt.
  • Forschung und Entwicklung: Der Angle of Attack ist ein zentraler Parameter in der aerodynamischen Simulation und Modellierung von Rotorblättern. Er wird in Windkanalversuchen und numerischen Strömungssimulationen (CFD) untersucht, um die Leistung und Lebensdauer von Windkraftanlagen zu verbessern.

Bekannte Beispiele

  • Vestas V164: Diese Offshore-Windkraftanlage mit einer Leistung von 10 MW nutzt ein hochentwickeltes Pitch-System, das den Angle of Attack in Echtzeit anpasst, um die Effizienz zu maximieren und mechanische Belastungen zu minimieren. Die Anlage ist für extreme Windbedingungen ausgelegt und setzt auf eine präzise Steuerung des Anstellwinkels, um die Lebensdauer der Rotorblätter zu verlängern.
  • Enercon E-126: Die E-126, eine der leistungsstärksten Onshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von 7,58 MW, verwendet ein aktives Pitch-System, das den Angle of Attack kontinuierlich optimiert. Die Anlage ist bekannt für ihre hohe Effizienz und Zuverlässigkeit, die durch die präzise Steuerung des Anstellwinkels erreicht wird.
  • Siemens Gamesa SG 14-222 DD: Diese Offshore-Anlage mit einer Leistung von 14 MW setzt auf ein innovatives Pitch-System, das den Angle of Attack in Kombination mit einer intelligenten Regelungstechnik steuert. Die Anlage ist für den Einsatz in großen Windparks konzipiert und nutzt den Anstellwinkel, um die Energieausbeute zu maximieren und die Wartungskosten zu senken.

Risiken und Herausforderungen

  • Strömungsabriss (Stall): Ein zu großer Angle of Attack führt zu einem plötzlichen Verlust des Auftriebs, was zu erhöhten mechanischen Belastungen und Vibrationen führen kann. Dies kann die Lebensdauer der Rotorblätter verkürzen und im schlimmsten Fall zu strukturellen Schäden führen.
  • Erosion und Verschleiß: Hohe Anstellwinkel können zu einer verstärkten Erosion der Blattvorderkante führen, insbesondere bei Offshore-Anlagen, die salzhaltiger Luft ausgesetzt sind. Dies verringert die aerodynamische Effizienz und erfordert regelmäßige Wartungsarbeiten.
  • Turbulenzen und Scherwinde: Lokale Windphänomene wie Turbulenzen oder Scherwinde können den effektiven Angle of Attack entlang des Rotorblatts verändern und zu ungleichmäßigen Belastungen führen. Dies stellt eine Herausforderung für die Regelungstechnik dar und erfordert fortschrittliche Sensorik und Algorithmen.
  • Eisbildung: In kalten Klimazonen kann Eisbildung an den Rotorblättern den Angle of Attack verändern und zu einem unkontrollierten Strömungsabriss führen. Dies erfordert spezielle Enteisungssysteme oder eine Anpassung der Betriebsstrategie.
  • Regelungstechnische Komplexität: Die präzise Steuerung des Angle of Attack erfordert hochentwickelte Regelungssysteme, die in der Lage sind, auf schnelle Änderungen der Windbedingungen zu reagieren. Dies erhöht die Komplexität und die Kosten der Anlagen.

Ähnliche Begriffe

  • Pitch-Winkel: Der Pitch-Winkel beschreibt den mechanischen Winkel, um den das Rotorblatt um seine Längsachse gedreht wird. Er ist ein Eingangsparameter für die Bestimmung des Angle of Attack, aber nicht mit diesem identisch.
  • Einstellwinkel (Twist Angle): Der Einstellwinkel beschreibt die Verdrehung des Rotorblatts entlang seiner Längsachse, um den lokalen Angle of Attack über die Blattlänge zu optimieren. Er ist ein wichtiger Parameter in der aerodynamischen Auslegung von Rotorblättern.
  • Gleitzahl: Die Gleitzahl ist das Verhältnis von Auftriebs- zu Widerstandskraft und beschreibt die aerodynamische Effizienz eines Profils. Sie hängt direkt vom Angle of Attack ab und ist ein zentraler Parameter in der Auslegung von Rotorblättern.
  • Reynolds-Zahl: Die Reynolds-Zahl ist eine dimensionslose Kennzahl, die das Verhältnis von Trägheits- zu Zähigkeitskräften in der Strömung beschreibt. Sie beeinflusst die Strömungscharakteristik am Rotorblatt und damit auch die Wirkung des Angle of Attack.

Zusammenfassung

Der Angle of Attack ist ein fundamentaler aerodynamischer Parameter in der Windkrafttechnik, der die Effizienz und Leistungsfähigkeit von Rotorblättern maßgeblich bestimmt. Durch die präzise Steuerung dieses Winkels können Windkraftanlagen ihren Energieertrag maximieren und gleichzeitig mechanische Belastungen reduzieren. Moderne Pitch-Systeme ermöglichen eine kontinuierliche Anpassung des Anstellwinkels an die aktuellen Windbedingungen, was die Effizienz und Lebensdauer der Anlagen erhöht. Trotz der technischen Fortschritte bleiben Herausforderungen wie Strömungsabriss, Erosion und regelungstechnische Komplexität bestehen, die durch innovative Lösungen und fortschrittliche Sensorik bewältigt werden müssen.

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