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English: Drag coefficient / Español: Coeficiente de resistencia / Português: Coeficiente de arrasto / Français: Coefficient de traînée / Italiano: Coefficiente di resistenza aerodinamica

Der Widerstandsbeiwert ist eine dimensionslose Kennzahl in der Aerodynamik, die den Strömungswiderstand eines Körpers in einem Fluid – wie Luft – quantifiziert. Im Kontext der Windkraft spielt dieser Parameter eine zentrale Rolle bei der Auslegung von Rotorblättern und der Optimierung von Windenergieanlagen, da er direkt die Effizienz der Energieumwandlung beeinflusst. Seine Bestimmung erfolgt durch experimentelle Messungen oder numerische Simulationen und ist essenziell für die Minimierung von Verlusten.

Allgemeine Beschreibung

Der Widerstandsbeiwert, oft mit cW oder cD (englisch: drag coefficient) abgekürzt, beschreibt das Verhältnis zwischen der Widerstandskraft, die auf einen Körper in einer Strömung wirkt, und dem dynamischen Druck der Strömung multipliziert mit der projizierten Fläche des Körpers. Mathematisch wird er durch die Gleichung cW = FW / (0,5 · ρ · v² · A) definiert, wobei FW die Widerstandskraft, ρ die Dichte des Fluids, v die Anströmgeschwindigkeit und A die Bezugsfläche darstellt. In der Windkraft ist die Bezugsfläche typischerweise die Rotorblattfläche oder die projizierte Fläche des Turms.

Der Wert des Widerstandsbeiwerts hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Form des Körpers, die Oberflächenrauigkeit, die Reynolds-Zahl und der Anstellwinkel. Bei Windenergieanlagen ist insbesondere der Anstellwinkel der Rotorblätter von Bedeutung, da er den Auftrieb und damit die Energieausbeute maßgeblich beeinflusst. Ein niedriger Widerstandsbeiwert ist wünschenswert, um die aerodynamischen Verluste zu minimieren und die Leistungsfähigkeit der Anlage zu steigern. Allerdings führt eine reine Fokussierung auf den Widerstandsbeiwert oft zu Zielkonflikten, da Maßnahmen zur Widerstandsreduzierung – wie eine schlankere Blattgeometrie – gleichzeitig die strukturelle Stabilität oder die Auftriebsleistung beeinträchtigen können.

Die Ermittlung des Widerstandsbeiwerts erfolgt in der Praxis durch Windkanalversuche oder numerische Strömungssimulationen (CFD, Computational Fluid Dynamics). Windkanalversuche bieten den Vorteil hoher Genauigkeit, sind jedoch kostenintensiv und aufwendig. CFD-Simulationen ermöglichen dagegen eine detaillierte Analyse der Strömungsverhältnisse um komplexe Geometrien, erfordern jedoch eine sorgfältige Validierung der Ergebnisse. Beide Methoden ergänzen sich in der Entwicklung moderner Windenergieanlagen, wobei CFD zunehmend an Bedeutung gewinnt, da sie eine effiziente Optimierung bereits in der Entwurfsphase erlaubt.

Technische Details

Der Widerstandsbeiwert setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen: dem Druckwiderstand und dem Reibungswiderstand. Der Druckwiderstand entsteht durch die Differenz zwischen dem statischen Druck auf der Vorder- und Rückseite des Körpers und dominiert bei stumpfen Körpern wie Türmen oder Gondeln von Windenergieanlagen. Der Reibungswiderstand resultiert aus der Schubspannung zwischen dem Fluid und der Körperoberfläche und ist besonders bei schlanken, stromlinienförmigen Körpern wie Rotorblättern relevant. Die Summe beider Komponenten bestimmt den Gesamtwiderstandsbeiwert.

Für Rotorblätter von Windenergieanlagen liegt der Widerstandsbeiwert typischerweise im Bereich von 0,005 bis 0,02, abhängig von der Blattgeometrie und dem Betriebszustand. Moderne Blätter nutzen aerodynamische Profile, die auf eine Minimierung des Widerstandsbeiwerts bei gleichzeitig hohem Auftriebsbeiwert ausgelegt sind. Hierbei kommen oft laminare Profile zum Einsatz, die durch eine glatte Oberflächenkontur und eine optimierte Dickenverteilung den Übergang von laminarer zu turbulenter Strömung verzögern. Dies reduziert den Reibungswiderstand und verbessert die Energieausbeute.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Abhängigkeit des Widerstandsbeiwerts von der Reynolds-Zahl, die das Verhältnis von Trägheits- zu Zähigkeitskräften im Fluid beschreibt. Bei Windenergieanlagen variiert die Reynolds-Zahl entlang des Rotorblatts aufgrund der unterschiedlichen Anströmgeschwindigkeiten und Profiltiefen. Im Wurzelbereich des Blatts, wo die Geschwindigkeit niedrig und die Profiltiefe groß ist, herrschen niedrige Reynolds-Zahlen vor, was zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Strömungsablösungen führt. Im Spitzenbereich hingegen dominieren hohe Reynolds-Zahlen, die eine stabilere Strömung begünstigen. Diese Variabilität erfordert eine differenzierte Betrachtung des Widerstandsbeiwerts über die gesamte Blattlänge.

Die Norm IEC 61400-1 (Wind turbines – Part 1: Design requirements) legt Richtlinien für die aerodynamische Auslegung von Windenergieanlagen fest und verweist auf die Bedeutung des Widerstandsbeiwerts für die Lastberechnung und Leistungsprognose. Sie empfiehlt die Verwendung validierter aerodynamischer Datensätze, die sowohl den Widerstands- als auch den Auftriebsbeiwert in Abhängigkeit vom Anstellwinkel und der Reynolds-Zahl abbilden. Diese Datensätze sind essenziell für die Simulation des Anlagenverhaltens unter verschiedenen Betriebsbedingungen.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Der Widerstandsbeiwert wird häufig mit dem Auftriebsbeiwert verwechselt, der jedoch eine andere physikalische Größe beschreibt. Während der Widerstandsbeiwert den Strömungswiderstand quantifiziert, gibt der Auftriebsbeiwert (cA) die senkrecht zur Anströmrichtung wirkende Kraft an, die für die Energieumwandlung in Windenergieanlagen entscheidend ist. Beide Beiwerte sind über die Polare eines Profils miteinander verknüpft, die den Zusammenhang zwischen Auftriebs- und Widerstandsbeiwert in Abhängigkeit vom Anstellwinkel darstellt. Ein optimaler Betriebspunkt liegt dort, wo das Verhältnis von Auftriebs- zu Widerstandsbeiwert (cA/cW) maximal ist, was als Gleitzahl bezeichnet wird.

Ein weiterer verwandter Begriff ist der Druckbeiwert (cP), der den lokalen Druck an der Oberfläche eines Körpers im Verhältnis zum dynamischen Druck der Strömung beschreibt. Während der Widerstandsbeiwert eine integrale Größe über die gesamte Körperfläche darstellt, gibt der Druckbeiwert punktuelle Informationen über die Druckverteilung. Beide Größen sind jedoch eng miteinander verknüpft, da der Druckwiderstand aus der Integration der Druckbeiwerte über die Körperoberfläche resultiert.

Anwendungsbereiche

  • Rotorblattdesign: Der Widerstandsbeiwert ist ein zentraler Parameter bei der aerodynamischen Auslegung von Rotorblättern. Durch die Optimierung der Blattgeometrie, der Profilform und der Oberflächenbeschaffenheit wird versucht, den Widerstandsbeiwert zu minimieren, ohne die strukturelle Integrität oder die Auftriebsleistung zu beeinträchtigen. Dies erfolgt häufig durch den Einsatz von CFD-Simulationen, die eine detaillierte Analyse der Strömungsverhältnisse ermöglichen.
  • Leistungsprognose: In der Planung und Betriebsführung von Windenergieanlagen wird der Widerstandsbeiwert zur Berechnung der zu erwartenden Leistung herangezogen. Modelle wie das Blade-Element-Momentum-Verfahren (BEM) nutzen aerodynamische Beiwerte, um die Kräfte auf die Rotorblätter und die resultierende Leistung der Anlage zu prognostizieren. Eine präzise Kenntnis des Widerstandsbeiwerts ist dabei entscheidend für die Genauigkeit der Vorhersagen.
  • Lastberechnung: Der Widerstandsbeiwert fließt in die Berechnung der aerodynamischen Lasten ein, die auf die Struktur einer Windenergieanlage wirken. Diese Lasten sind maßgeblich für die Dimensionierung der Komponenten wie Turm, Gondel und Fundament. Die Norm IEC 61400-1 verlangt eine detaillierte Berücksichtigung des Widerstandsbeiwerts bei der Ermittlung von Extrem- und Ermüdungslasten.
  • Eisansatz und Verschmutzung: Ablagerungen wie Eis oder Schmutz auf den Rotorblättern erhöhen den Widerstandsbeiwert und verringern die Leistungsfähigkeit der Anlage. Durch die Messung des Widerstandsbeiwerts im Betrieb können solche Effekte erkannt und Maßnahmen zur Reinigung oder Enteisung eingeleitet werden. Moderne Anlagen nutzen hierfür Sensoren, die den Leistungsabfall analysieren und Rückschlüsse auf den Zustand der Blätter zulassen.

Bekannte Beispiele

  • NACA-Profile: Die von der National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) entwickelten Profilfamilien, wie das NACA 4412 oder NACA 63-215, werden häufig in der Windkraft eingesetzt. Diese Profile zeichnen sich durch definierte Widerstands- und Auftriebsbeiwerte aus, die in Windkanalversuchen ermittelt wurden. Sie dienen als Referenz für die Auslegung moderner Rotorblätter und werden in aerodynamischen Datenbanken wie der UIUC Airfoil Coordinates Database bereitgestellt.
  • Enercon E-126: Die Enercon E-126, eine der leistungsstärksten Onshore-Windenergieanlagen, nutzt Rotorblätter mit einem optimierten Widerstandsbeiwert, der durch eine Kombination aus aerodynamischer Profilierung und aktiver Strömungskontrolle erreicht wird. Die Anlage demonstriert, wie eine gezielte Minimierung des Widerstandsbeiwerts die Energieausbeute steigern kann, ohne die strukturellen Anforderungen zu vernachlässigen.
  • Siemens Gamesa SG 14-222 DD: Diese Offshore-Windenergieanlage setzt auf Rotorblätter mit einem integrierten High-Lift-Profil, das den Widerstandsbeiwert bei hohen Anstellwinkeln reduziert. Die Blätter sind zudem mit einer speziellen Oberflächenbeschichtung versehen, die den Reibungswiderstand verringert und die Anfälligkeit für Verschmutzungen minimiert.

Risiken und Herausforderungen

  • Strömungsablösung: Bei hohen Anstellwinkeln oder ungünstigen Betriebsbedingungen kann es zur Ablösung der Strömung von der Blattoberfläche kommen, was den Widerstandsbeiwert sprunghaft erhöht und die Leistung der Anlage drastisch reduziert. Dies tritt insbesondere bei Turbulenzen oder plötzlichen Windrichtungsänderungen auf und erfordert eine schnelle Anpassung des Blattwinkels durch die Anlagensteuerung.
  • Reynolds-Zahl-Effekte: Die Abhängigkeit des Widerstandsbeiwerts von der Reynolds-Zahl stellt eine Herausforderung dar, da diese entlang des Rotorblatts variiert. Besonders im Wurzelbereich, wo niedrige Reynolds-Zahlen vorherrschen, kann dies zu unvorhergesehenen Strömungsphänomenen führen, die die aerodynamische Leistung beeinträchtigen. Eine präzise Modellierung dieser Effekte ist daher essenziell.
  • Verschmutzung und Erosion: Ablagerungen wie Insekten, Staub oder Eis erhöhen den Widerstandsbeiwert und verringern die Energieausbeute. Zudem führt Erosion an der Blattoberfläche zu einer erhöhten Rauigkeit, die den Reibungswiderstand steigert. Regelmäßige Wartung und Reinigung sind daher notwendig, um die aerodynamische Effizienz langfristig zu erhalten.
  • Zielkonflikte in der Auslegung: Die Minimierung des Widerstandsbeiwerts steht oft im Widerspruch zu anderen Anforderungen, wie der strukturellen Festigkeit oder der akustischen Emission. Beispielsweise kann eine schlankere Blattgeometrie den Widerstandsbeiwert reduzieren, erhöht jedoch die mechanische Belastung und die Geräuschentwicklung. Eine ganzheitliche Optimierung ist daher erforderlich, um einen Kompromiss zwischen diesen Faktoren zu finden.
  • Messunsicherheiten: Die experimentelle Bestimmung des Widerstandsbeiwerts in Windkanälen oder durch Feldmessungen ist mit Unsicherheiten behaftet, die aus Skalierungseffekten, Turbulenzen oder Messfehlern resultieren. Diese Unsicherheiten können zu Abweichungen zwischen prognostizierten und tatsächlichen Leistungsdaten führen, was die Wirtschaftlichkeit der Anlage beeinträchtigt.

Ähnliche Begriffe

  • Auftriebsbeiwert (cA): Der Auftriebsbeiwert beschreibt die senkrecht zur Anströmrichtung wirkende Kraft und ist für die Energieumwandlung in Windenergieanlagen entscheidend. Im Gegensatz zum Widerstandsbeiwert, der Verluste quantifiziert, ist der Auftriebsbeiwert ein Maß für die nutzbare aerodynamische Leistung. Beide Beiwerte sind über die Polare eines Profils miteinander verknüpft.
  • Gleitzahl (cA/cW): Die Gleitzahl gibt das Verhältnis von Auftriebs- zu Widerstandsbeiwert an und ist ein Indikator für die aerodynamische Effizienz eines Profils. Ein hoher Wert deutet auf eine günstige Kombination aus hohem Auftrieb und niedrigem Widerstand hin, was für die Leistungsfähigkeit von Rotorblättern essenziell ist.
  • Druckbeiwert (cP): Der Druckbeiwert beschreibt die lokale Druckverteilung an der Oberfläche eines Körpers im Verhältnis zum dynamischen Druck der Strömung. Während der Widerstandsbeiwert eine integrale Größe darstellt, liefert der Druckbeiwert punktuelle Informationen, die für die Analyse von Strömungsphänomenen wie Ablösungen oder Wirbelbildung genutzt werden.
  • Reynolds-Zahl (Re): Die Reynolds-Zahl ist eine dimensionslose Kennzahl, die das Verhältnis von Trägheits- zu Zähigkeitskräften in einem Fluid beschreibt. Sie beeinflusst maßgeblich den Widerstandsbeiwert, da sie den Übergang von laminarer zu turbulenter Strömung bestimmt. In der Windkraft variiert die Reynolds-Zahl entlang des Rotorblatts und erfordert eine differenzierte Betrachtung.

Zusammenfassung

Der Widerstandsbeiwert ist eine fundamentale aerodynamische Kennzahl, die den Strömungswiderstand von Körpern in Fluiden quantifiziert und für die Auslegung und Optimierung von Windenergieanlagen von zentraler Bedeutung ist. Seine Minimierung trägt direkt zur Steigerung der Energieeffizienz bei, erfordert jedoch eine sorgfältige Abwägung mit anderen Faktoren wie struktureller Stabilität, Auftriebsleistung und Betriebsbedingungen. Die Bestimmung des Widerstandsbeiwerts erfolgt durch experimentelle und numerische Methoden, wobei moderne CFD-Simulationen eine effiziente Optimierung ermöglichen. Trotz der Fortschritte in der Aerodynamik bleiben Herausforderungen wie Strömungsablösungen, Reynolds-Zahl-Effekte und Verschmutzung bestehen, die eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologien erfordern. Durch die Integration des Widerstandsbeiwerts in die Lastberechnung und Leistungsprognose leistet er einen entscheidenden Beitrag zur Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit von Windenergieanlagen.

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