UKA: Mit Expertise zum erfolgreichen Windparkprojekt.

English: Shallow foundation / Español: Cimentación superficial / Português: Fundação rasa / Français: Fondation superficielle / Italiano: Fondazione superficiale

Das Flachfundament ist ein grundlegendes Bauteil im Bauwesen, das insbesondere bei der Gründung von Windkraftanlagen eine zentrale Rolle spielt. Es dient der Lastabtragung von Bauwerken in den Baugrund und wird vor allem dort eingesetzt, wo tragfähige Bodenschichten in geringer Tiefe anstehen. Im Kontext der Windkraft ermöglicht es die sichere Verankerung von Türmen und Fundamenten, um den statischen und dynamischen Belastungen durch Wind, Rotation und Eigengewicht standzuhalten.

Allgemeine Beschreibung

Ein Flachfundament ist eine flächige Gründungskonstruktion, die Lasten aus dem Bauwerk direkt in den anstehenden Baugrund überträgt. Im Gegensatz zu Tiefgründungen wie Pfählen oder Brunnengründungen verteilt es die Kräfte über eine größere Fläche nahe der Geländeoberkante. Die Bemessung erfolgt nach den Prinzipien der Bodenmechanik und Statik, wobei die Tragfähigkeit des Bodens, die Setzungsempfindlichkeit sowie die Einwirkungen aus dem Bauwerk berücksichtigt werden müssen.

Bei Windkraftanlagen kommt dem Flachfundament eine besondere Bedeutung zu, da es nicht nur vertikale Lasten (z. B. Eigengewicht der Anlage), sondern auch horizontale Kräfte (Winddruck) und Momente (Kippmomente durch Rotorbewegung) aufnehmen muss. Die Konstruktion besteht typischerweise aus Stahlbeton und wird in einer Baugrube hergestellt, die nach dem Aushub mit einer Sauberkeitsschicht aus Magerbeton vorbereitet wird. Die Form des Fundaments kann je nach Anforderungen variieren, wobei kreisförmige oder polygonal angelegte Fundamente in der Windkraftbranche häufig anzutreffen sind.

Die Dimensionierung eines Flachfundaments für Windkraftanlagen unterliegt strengen normativen Vorgaben, insbesondere der DIN EN 1997-1 (Eurocode 7) für geotechnische Bemessung sowie der DIN EN 61400 für Windenergieanlagen. Zudem müssen lokale Baugrundverhältnisse durch geotechnische Untersuchungen, wie Bohrungen oder Drucksondierungen, präzise erfasst werden, um Setzungen oder Schiefstellungen zu vermeiden.

Technische Details

Die Bemessung eines Flachfundaments für Windkraftanlagen erfolgt nach dem Grenzzustand der Tragfähigkeit (ULS) und dem Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit (SLS). Im ULS wird geprüft, ob der Baugrund die maximalen Lasten ohne Versagen aufnehmen kann, während im SLS die zulässigen Setzungen und Verformungen eingehalten werden müssen. Die charakteristischen Einwirkungen setzen sich aus ständigen Lasten (Eigengewicht der Anlage), veränderlichen Lasten (Wind, Eis, Betrieb) und außergewöhnlichen Lasten (z. B. Erdbeben) zusammen.

Die Fundamentplatte wird in der Regel als biegesteife Scheibe ausgebildet, um die auftretenden Momente gleichmäßig in den Baugrund abzuleiten. Die Dicke der Platte variiert je nach Anlagengröße und Bodenverhältnissen, liegt jedoch häufig zwischen 1,5 und 3 Metern. Zur Verstärkung werden Bewehrungskörbe aus Stahl eingelegt, die nach den Vorgaben der DIN EN 1992-1-1 (Eurocode 2) für Stahlbetonbemessung dimensioniert werden. Die Bewehrung muss dabei sowohl die Zugkräfte aus Biegung als auch die Schubkräfte aus Querbelastung aufnehmen.

Ein kritischer Aspekt bei der Planung ist die Interaktion zwischen Fundament und Baugrund. Die zulässige Bodenpressung wird durch den Steifemodul des Bodens und die Fundamentfläche bestimmt. Bei bindigen Böden (z. B. Ton) können langfristige Setzungen auftreten, die durch eine ausreichende Fundamentgröße oder Bodenverbesserungsmaßnahmen (z. B. Verdichtung, Austausch) kompensiert werden müssen. Nichtbindige Böden (z. B. Sand) weisen dagegen eine höhere Tragfähigkeit auf, sind jedoch anfälliger für dynamische Belastungen, wie sie bei Windkraftanlagen durch Rotorbewegungen entstehen.

Normen und Standards

Die Planung und Ausführung von Flachfundamenten für Windkraftanlagen unterliegt mehreren nationalen und internationalen Normen. Die DIN EN 1997-1 (Eurocode 7) regelt die geotechnische Bemessung und definiert die Nachweisführung für Fundamente. Ergänzend dazu gibt die DIN 1054 Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau vor. Für Windenergieanlagen spezifisch ist die DIN EN 61400-1, die Anforderungen an die Auslegung und Konstruktion von Onshore-Windkraftanlagen festlegt, einschließlich der Fundamentierung. Zudem sind die Richtlinien des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) sowie lokale Bauvorschriften zu beachten.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Flachfundamente unterscheiden sich grundlegend von Tiefgründungen wie Pfählen oder Brunnengründungen, die Lasten in tiefere, tragfähigere Bodenschichten abtragen. Während Flachfundamente für Bauwerke mit geringen bis mittleren Lasten und tragfähigem Baugrund in oberflächennahen Schichten geeignet sind, kommen Tiefgründungen bei schlechtem Baugrund oder hohen Lasten zum Einsatz. Ein weiteres verwandtes Konzept ist das Plattenfundament, das jedoch eine durchgehende Gründung für größere Bauwerke darstellt und nicht zwingend flach ausgeführt sein muss. Im Gegensatz dazu ist ein Streifenfundament eine linienförmige Gründung, die beispielsweise unter Wänden eingesetzt wird.

Anwendungsbereiche

  • Onshore-Windkraftanlagen: Flachfundamente sind die Standardlösung für die Gründung von Windkraftanlagen an Land, sofern der Baugrund ausreichend tragfähig ist. Sie ermöglichen eine kostengünstige und schnelle Errichtung der Fundamente und sind für Anlagen mit einer Nabenhöhe von bis zu 150 Metern geeignet.
  • Hybridtürme: Bei Hybridtürmen, die aus einem Betonsockel und einem Stahlrohrturm bestehen, wird der Betonsockel häufig auf einem Flachfundament gegründet. Dies kombiniert die Vorteile einer flächigen Lastverteilung mit der Flexibilität der Stahlkonstruktion.
  • Kleinwindanlagen: Für Kleinwindanlagen mit geringeren Lasten kommen vereinfachte Flachfundamente zum Einsatz, die oft als vorgefertigte Betonplatten ausgeführt werden. Diese sind besonders in ländlichen Gebieten oder auf Industriegeländen verbreitet.
  • Temporäre Anlagen: Bei temporären Windkraftanlagen, beispielsweise für Forschungszwecke oder kurzfristige Energieversorgung, werden Flachfundamente bevorzugt, da sie nach dem Rückbau keine tiefen Eingriffe in den Baugrund hinterlassen.

Bekannte Beispiele

  • Windpark Gode Wind (Nordsee, Deutschland): Die Offshore-Windkraftanlagen des Parks Gode Wind nutzen zwar keine Flachfundamente, jedoch kommen bei den zugehörigen Onshore-Umspannwerken und Servicegebäuden Flachfundamente zum Einsatz. Diese sind auf den sandigen Böden der norddeutschen Tiefebene gegründet und demonstrieren die Anpassungsfähigkeit der Technologie an unterschiedliche Bodenverhältnisse.
  • Windkraftanlage Laasow (Brandenburg, Deutschland): Die Anlage mit einer Nabenhöhe von 160 Metern und einer Leistung von 2,5 Megawatt (MW) ist auf einem kreisförmigen Flachfundament mit einem Durchmesser von 20 Metern gegründet. Das Fundament wurde auf einem sandig-kiesigen Baugrund errichtet und zeigt die Machbarkeit großer Flachgründungen auch in Regionen mit geringerer Bodentragfähigkeit.
  • Windpark Fântânele-Cogealac (Rumänien): Mit 240 Windkraftanlagen ist dies einer der größten Onshore-Windparks Europas. Die Anlagen sind auf Flachfundamenten gegründet, die auf den lehmig-sandigen Böden der Dobrudscha-Region optimiert wurden. Die Fundamente wurden mit einer speziellen Bewehrungstechnik ausgeführt, um den dynamischen Belastungen durch die Rotoren standzuhalten.

Risiken und Herausforderungen

  • Setzungsrisiko: Ungleichmäßige Setzungen können zu Schiefstellungen der Windkraftanlage führen, die die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen oder im Extremfall zum Versagen der Struktur führen. Besonders bindige Böden neigen zu langfristigen Setzungen, die durch präzise geotechnische Untersuchungen und eine angepasste Fundamentdimensionierung minimiert werden müssen.
  • Dynamische Belastungen: Die Rotorbewegung und Windböen erzeugen dynamische Lasten, die zu Ermüdungserscheinungen im Fundament führen können. Dies erfordert eine sorgfältige Bemessung der Bewehrung und des Betons, um Rissbildung und Materialermüdung zu vermeiden. Zudem müssen Resonanzfrequenzen des Systems vermieden werden, um Schwingungen zu reduzieren.
  • Bodenverflüssigung: In Gebieten mit hohem Grundwasserspiegel oder lockeren, wassergesättigten Böden kann es bei Erdbeben oder starken Vibrationen zur Bodenverflüssigung kommen. Dies führt zu einem vollständigen Verlust der Tragfähigkeit des Baugrunds und kann das Fundament destabilisieren. Gegenmaßnahmen umfassen eine Verdichtung des Bodens oder den Einsatz von Tiefgründungen.
  • Frosthebung: In Regionen mit Frostgefährdung kann es zu Hebungen des Fundaments durch gefrierendes Wasser im Boden kommen. Dies wird durch eine frostfreie Gründungstiefe (in Deutschland mindestens 0,8 Meter unter Geländeoberkante) oder eine Dämmung des Fundaments verhindert.
  • Korrosion der Bewehrung: Aggressive Böden oder Grundwasser können die Stahlbewehrung im Fundament angreifen und zu Korrosion führen. Dies wird durch eine ausreichende Betondeckung (mindestens 50 Millimeter) und den Einsatz von korrosionsbeständigem Stahl oder Beschichtungen verhindert.

Ähnliche Begriffe

  • Tiefgründung: Eine Gründungstechnik, bei der Lasten durch Pfähle, Brunnen oder Schlitzwände in tiefere, tragfähigere Bodenschichten abgetragen werden. Tiefgründungen kommen zum Einsatz, wenn der oberflächennahe Baugrund keine ausreichende Tragfähigkeit aufweist oder hohe Lasten abzutragen sind.
  • Plattenfundament: Eine flächige Gründungskonstruktion, die sich über die gesamte Grundfläche eines Bauwerks erstreckt. Plattenfundamente werden häufig bei Gebäuden mit hohen Lasten oder ungleichmäßigen Bodenverhältnissen eingesetzt und können als Flach- oder Tiefgründung ausgeführt werden.
  • Streifenfundament: Eine linienförmige Gründung, die unter Wänden oder Stützen verläuft. Streifenfundamente sind eine spezielle Form des Flachfundaments und werden vor allem im Hochbau verwendet.
  • Schwergewichtsfundament: Ein massives Fundament, das durch sein Eigengewicht die auftretenden Lasten in den Baugrund abträgt. Schwergewichtsfundamente kommen häufig bei Offshore-Windkraftanlagen zum Einsatz, wo sie als Beton- oder Stahlkonstruktionen ausgeführt werden.

Zusammenfassung

Das Flachfundament ist eine zentrale Gründungstechnik für Windkraftanlagen, die eine kostengünstige und effiziente Lastabtragung in den Baugrund ermöglicht. Es eignet sich besonders für Onshore-Anlagen mit tragfähigem Baugrund in oberflächennahen Schichten und wird nach strengen normativen Vorgaben bemessen. Die Konstruktion muss sowohl statische als auch dynamische Belastungen berücksichtigen und erfordert eine präzise geotechnische Untersuchung des Baugrunds. Trotz der Vorteile in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Bauzeit sind Risiken wie Setzungen, dynamische Belastungen und Korrosion zu beachten, die durch sorgfältige Planung und Ausführung minimiert werden können. Im Vergleich zu Tiefgründungen bietet das Flachfundament eine flexible Lösung für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen in der Windenergie.

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