Als Bezugszeitraum wird die Zeitperiode bezeichnet, auf die die Kurzzeitdaten mit Hilfe eines Langzeitbezuges bezogen werden. Der Bezugszeitraum sollte langjährig repräsentative Windverhältnisse aufweisen.

Aus Windmessungen oder aus verfügbaren Betriebsergebnissen von Windkraftanlagen, (jeweils aus meist kürzeren Zeiträumen), müssen langjährige mittlere Windgeschwindigkeiten bzw. Jahresenergieerträge abgeschätzt werden. Die Länge des Bezugszeitraumes sollte von der Qualität der Langzeitdaten abhängen. Häufig wurde im Bereich der Windenergie ein Langzeit-Bezugsdatensatz von 30 Jahren gefordert. Etwa im Jahr 2010 wurde im Windgutachterbeirat beschlossen, dass die Forderung nach einer Länge des Referenzzeitraums von mindestens 30 Jahren hinfällig ist. Eine spezielle Untersuchung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in der deutschen Bucht zeigt eine 30 jährige Periodizität, die jedoch in keinen weiteren Windmessungen in Europa beobachtet worden ist.


Es ist einleuchtend, dass die Wahrscheinlichkeit künstlicher Verzerrungen in jeglichen gemessenen Zeitreihen mit ihrer Länge ansteigt. Solche Verzerrungen können durch technische Veränderungen an den Messinstrumenten oder der Datenerfassung oder durch Veränderungen der Umgebung des Messortes entstehen. Es ist bei unsicherer langjähriger Konsistenz von Referenzdaten sinnvoller, nur 10 oder 15 Jahre lange Datensätze zu verwenden anstatt Datenreihen mit 20, 30 oder gar 40 bis 50 Jahren Länge. Natürlich kann durch die Verwendung kürzerer Bezugszeiträume ein Informationsverlust entstehen und es ist möglich, dass sie nicht langjährig repräsentativ sind.


In der Firma anemos-jacob GmbH wurden Windgeschwindigkeitsdaten von Wetterstationen verschiedener mitteleuropäischer Länder ausführlich untersucht. Dabei wurden u. a. die Mittelwerte über 1, 2, 3, … bis 50 Jahre sukzessive berechnet. Oft ergaben sich hinreichend konstante Mittelwerte nach etwa 10 bis 15 Jahren. Wo dies nicht der Fall war, konnten häufig bei detaillierten Vergleichen mit anderen Stationen in der Region Inkonsistenzen der betreffenden Reihe erkannt werden. Die Zeit, die benötigt wird, bis ein stabiler Mittelwert erreicht wird, hängt von der Region und dem speziell betrachteten Zeitraum ab. Etwa 10 Jahre erscheinen häufig in einfach strukturierten Regionen des Binnenlands wie Teilen von Süddeutschland oder Nord- und Zentralfrankreich ausreichend. Noch kürzere Referenzzeiträume werden vom deutschen Institut für Windenergie (DEWI) für Frankreich genannt. Besonders lange Zeiträume werden dagegen entlang der Nordseeküste benötigt. Die Gründe hierfür sind weitgehend erklärbar, sollen hier jedoch nicht vertieft werden. 


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